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Zur genaueren Einschränkung des Begriffes "Mittelalter" scheint hier ein klärendes Wort angebracht zu sein. Die Zeitvorstellungen gehen doch zu stark auseinander. Neulich fragte ich während einer Burgführung in eine Gruppe, wann denn wohl das Mittelalter gewesen sei. Die Antworten der Erwachsenen haben mich doch etwas verblüfft. Einig waren sich alle, dass es ziemlich lange her ist. Aber 1800 ist mit Sicherheit NICHT mehr mittelalterlich!! Genauso gehen die zeitlichen Abgrenzungen der drei Hauptabschnitte des Mittelalters zu weit auseinander. Aus diesem Grunde eine historisch abgesegnete Abgrenzung. Das Mittelalter löst die Klassik ab und gliedert sich in drei Unterabschnitte:
Frühmittelalter, 375 n. Chr. bis ca. 900 n. Chr.Es gibt zwei anerkannte Definitionen für den Beginn des Mittelalters:
In dieser Zeit bilden sich aus den wandernden Stämmen, die langsam sesshaft werden, größere Verbunde. Als Datum wählen wir die Ansiedlung der Goten im römischen Reich unter Kaiser Valens (376 n. Chr.). Sie bauen feste Orte, und es bildet sich ein Königtum. Die bekanntesten sind dabei die Königreiche der Burgunder (Nibelungensage), Vandalen unter Geiserich in Afrika, Westgoten unter Eurich in Spanien, Ostgoten unter Theoderich in Italien, Langobarden unter Alboin in Italien. Die Hoch-Zeit des Frühmittelalters im späteren Deutschland und Mitteleuropa ist mit Sicherheit die Wiederherstellung des (weströmischen) Kaisertums unter dem Franken Karl dem Großen, Kaisersalbung Weihnachten 800 n. Chr. Unter seinen Söhnen zerbricht das Reich durch die fränkische Erbteilung in drei Teile. Die Kaiserwürde geht wieder verloren. Hochmittelalter, ca. 900 n. Chr. bis 1250 n. Chr.Unter den Sachsenkönigen entsteht unter Otto d. Gr. die Kaiserwürde neu. Die sächsischen
Kaiser
herrschen bis 1024. In dieser Periode ist auch unsere Turmhügelburg
anzusiedeln (ab 1143 deutsche Besiedlung Ostholsteins). Auch unsere Wikingerfreunde
an der Motte sind im Wesentlichen
"hoch-mittelalterlich", um diesem Streit einmal ein Ende zu bereiten.
Reicht doch ihre Hoch-Zeit von 800-1050. Dies einmal ganz abgesehen vom starken
dänischen Einfluss auf die slawischen Abodriten in Ostholstein und Mecklenburg.
Der Angelsachse Alfred der Große von England siegt 878 über die Dänen, aber
die Einfälle halten an. 1066 besiegt der Normanne Wilhelm der Eroberer die
Angelsachsen in der Schlacht von Hastings, und unterwirft bis 1071 ganz England. Spät-Mittelalter, 1250 n. Chr. bis 1517 n. Chr.Hier wiederum zwei Definitionen des Endes dieser Periode:
Aufstieg und Blüte "van der düdeschen Hanse" ab 1259. Aufstieg der Städte und beginnende Landflucht, "Stadtluft macht frei". Inquisition, Zeit religiösen Fanatismus. Hussitenkriege, Reformation. Die Habsburger werden Kaiser und gewinnen die Krone erblich. Weitere Ostkolonisation unter dem deutschen Orden ab 1226. Nationale Einigung der Polen. Ende des ungarischen Reiches. "Sammeln der russischen Länder" unter Iwan III. d. Gr. ab 1462. Vordringen der Osmanen, Fall von Konstantinopel 1453 nach Beschießung mit Kanonen. Beginn des Humanismus. Spätgotik. |