Wie wird man Segelflieger?
Also, um es gleich vorweg zu nehmen: Diese Seite handelt von meinem
Lieblingshobby. Wie und wo Ihr Segelflieger werden könnt, erfahrt Ihr am besten
auf der Seite Links.
Hier will ich Euch die Geschichte erzählen, wie ich dazu gekommen bin. Und
dazu muss ich verdammt weit ausholen.
Die Anfänge
Als ich ein sehr, sehr kleiner Junge war, wurde mein Vater nach Delmenhorst
versetzt. Wie gesagt, ich war zu klein, um etwas dagegen haben zu können. Doch
dieser Umzug wurde mein fliegerisches Schicksal. Mein Vater ist früher schon
geflogen. Angefangen hat alles in Helmstedt. Aber hier, auf der „Großen
Höhe“, da sollte es weitergehen.
Anfangs
dachte ich, Delmenhorst sei eine Wüste. Von der Stadt bekam ich die ganze
Zeit nichts zu sehen. Wir waren immer auf dem Flugplatz, und da gab es viel
Sand. Schönen, schwarzen Heidesand.
Hier
wurde ich mit allem schnell vertraut. Überall Flugzeuge, und die mussten halt
erst einmal in die Luft. Dazu wurde jede helfende Hand benötigt, was ich auch
sehr schnell einsah mit drei oder vier Jahren. Als erstes wurde ich Berater für
Hochleistungs-Segelflugzeuge, wie hier der K6. Um meine Beratertätigkeit für
meine Kunden und angehenden Kameraden zufriedenstellend wahrnehmen zu können,
war ich gezwungen, umfassende physikalische Experimente durchzuführen. Es war
von brennendem Interesse, wieso ein Flugzeug ohne Motor überhaupt fliegen
konnte. Nun ja, aber es waren halt nur meine Interessen, wie sich herausstellten
sollte.
Einer
meiner ersten wirklichen Aufträge war, herauszufinden, wie Bierflaschen sicher
über Wasser transportiert werden können, ohne zu sinken. Volle Bierflaschen
natürlich. Hier meine Lösung: (siehe Foto). Eine für Flieger bahnbrechende Erkenntnis. Ja,
zum Fliegen gehört viel naturwissenschaftliches Verständnis, und man sollte so
früh wie möglich am Boden beginnen. Wie dereinst Quax sagte: „Man muss
sich erst am Boden auskennen, bevor man die Lüfte erobert!“.
Übrigens
waren an meinem Flugplatzdasein nicht nur mein Vater, sondern auch meine Mutter
Schuld. Sie war sogar manchmal noch schlimmer. Die beiden haben sich dann
abgewechselt, auf mich aufzupassen. Wenn Papa flog, habe ich mit Mutti Mühle
gespielt und so. Wenn Mutti flog, durfte ich machen, was ich wollte. Zum
Beispiel auf den Truppenübungsplatz laufen und mit den Soldaten spielen. Oder
in so Kampflöcher mit Stacheldraht drinnen reinfallen. Jedenfalls war das immer
sehr lustig.
In
diesem Sinne ging es weiter. Als ich nun aber irgendwann vierzehn Jahre alt
geworden war, da ging es richtig los. Mit vierzehn ist man ein Mann. Manchmal
auch eine Frau, aber eben irgendwie erwachsen. Man darf zwar keine Autos fahren
oder Motorräder oder gar Mopeds. Aber man darf anfangen zu fliegen! Irgendwie
habe ich die Mofas meiner Freunde seitdem mit anderen Augen betrachtet.
Das
Dumme ist nur, wenn man dann endlich alleine fliegen darf, also ohne
Lehrer, dann wird man verkloppt. Alle am Flugplatz hauen einem auf den Hintern.
Sie nennen das dort „massieren“. Das dient dem Fluggefühl. Denn
fliegen kann man nur mit Gefühl richtig. Eben „nach Hintern“, nach Sitzgefühl.
Ich habe das natürlich sofort eingesehen und inzwischen an zig anderen
ausprobiert. Es funktioniert. Am Schluss wird einem ein dorniger Blumenstrauß
in die Hand gedrückt (für das Gefühl am Steuerknüppel seeehr wichtig), und
dann hat man die „A“. Manche nehmen das ganz cool, manche nicht. Durch muss da
jeder.
Also
weiter. Nach der „A“ kam die „B“, dann die „C“ – nun hatte man schon
drei Schwingen an der
Brust und war schon fast ein alter Hase. Doch grau war alle Theorie.
Funksprechzeugnis, Luftfahrerschein-Prüfung. Irgendwann hatte man ihn dann: Den
Schein, den PPL-C. Und nun los. Früh aufstehen und auf Strecke. Die Flüge
gingen schon bald über 300 km.
Wichtig
war immer das Wetter. Nämlich Flugwetter.
Am
Besten ist natürlich Hammerwetter. Das bedeutet, dass ein Hammer, den man in die
Luft wirft, einfach oben bleibt. Ohne richtiges Wetter ist Fliegen blöde,
sozusagen Fliegerwetter. Blöderweise ist gutes Flugwetter für andere Leute gar
nicht unbedingt so klasse. Aber, was wissen die denn schon? Gut sind zum
Beispiel
Cumulanten,
das sind Quellwolken. Wenn die am Himmel stehen, gucken richtige Segelflieger
nicht mehr nach unten. Dann muss man los. Überlandfliegen. Das bedeutet, man
stellt sich eine Flugaufgabe, schön weit. Und dann versucht man, die zu
schaffen.
Manchmal schafft man das nicht. Dann kommt man nicht mehr zurück und muss
irgendwo auf dem Acker landen. Aber das ist auch einfach. Dummerweise muss man
dann mit dem Anhänger abgeholt werden. Und das dauuuert immer. Also, besser
ankommen. Beim Streckenfliegen habe ich mir übrigens auch meine Uni-Stadt
ausgesucht. Sie sah von oben so niedlich aus. Von unten übrigens auch. Und, wie
ich später feststellen konnte, sie ist unter der Erde am schönsten. Na, wo
habe ich studiert?
Auf
dem Flugplatz müssen immer mehr Leute als Piloten sein. Dummerweise kommt man
ohne Mannschaft nicht in die Luft. Naja, bis auf eine Ausnahme, aber da habe
ich kein Bild. Auf dem Boden helfen einem tolle Kameraden, zum Beispiel Batman.
Batman holt die gelandeten Maschinen aus der Landebahn und zieht sie zurück an
den Start. Früher mussten wir das allerdings noch von Hand machen, und
mittlerweile hilft uns auch schon Batmans Sohn.
Obwohl
man Segelflieger ist und eigentlich nur noch ganz selten zu Fuß geht, ist die
Frage der benötigten Landfahrzeuge heikel. Irgendwie muss man ja aber auf den
Flugplatz kommen, und deshalb kann nur das Beste gut genug sein. Es sollte
problemlos in der Lage sein, einen Flugzeug-Anhänger zu ziehen, und zwar auch
ins Gebirge. Hier zu sparen, wäre töricht.
Obwohl
eigentlich alle ganz tolle Flieger sind, passiert manchmal etwas. Da Flieger
alle unglaublich abergläubisch sind, sage ich da jetzt nichts weiter zu und
klopfe dreimal auf Holz. Hier hat es ja auch fast nicht weh getan. Kleine Sachen
passieren eigentlich immer mal wieder. Deswegen müssen wir dann auch den ganzen
Winter über basteln und alles wieder in Schwung für die neue Saison bringen.
Denn wenn wir das immer alles bezahlen müssten, hätten wir ja alle Millionäre
werden müssen.
Mit
am wichtigsten für das Wetter des folgenden Tages ist es, den Thermikgott milde
zu stimmen.
Am
liebsten nimmt er hierzu Trankopfer an, wie jeder Segelflieger weiß. Dieses
uralte Wissen scheint heutzutage leicht in den Hintergrund gedrängt zu werden.
Deswegen wird das Wetter auch immer schlechter als es damals einfach war.
Damals, als wir noch richtige Sommer und richtige Winter hatten. Damals, als wir
noch richtige Männer und richtige Frauen waren. Nicht so verweichlicht wie
heute, ja ja. Außerdem hatten und haben die Trankopfer einen tollen Nebeneffekt: Sie machen zusätzlich auch noch schön.
In diesem Sinne:
„Hals- und Beinbruch“!
PS:
Falls das hier Flieger gelesen haben sollten, schaut mal weiter im Flugbuch.
Falls Ihr gar keine Flieger seid, nicht alles glauben ;-).